Socken, Krawatten, Bücher, Kultur, Technik oder Parfum. Es geht ja weniger um den Inhalt, als um die Symbolik, dass die Beschenkten den Schenkern etwas bedeuten. Und nachdem Wertschätzung eine wesentliche Quelle für Glücksempfinden ist, sollten Geschenke eigentlich glücklich machen. Doch Studien zeigen, dass das leider nicht so einfach funktioniert…

Nachdem es schon genug Studien zur Häufung psychischer Erkrankung und Suizidraten zu Weihnachten gibt, untersuchten zwei Autoren in den USA, was an Weihnachten glücklich macht.
Dass beschenkt werden glücklich machen sollte, wird uns ja von Kind auf sozusagen schon mit in die Wiege gelegt — auch wenn einige Untersuchungen inzwischen herausgefunden haben, das Schenken sogar glücklicher macht als beschenkt werden (z.B. Dunn, Aknin & Norton. 2008: Spending money on others promotes happiness. Science319(5870), 1687–1688). Da ging es aber nicht um Weihnachten… und da kommt ja Massen-Schenken und -Beschenkt werden auf einmal zusammen. Schön, dass das mal jemand untersucht hat (Kasser & Sheldon. 2002: What makes for a merry Christmas? Journal of Happiness Studies3, 313–329).

Leider stand der Weihnachtsmann für ein Interview nicht zur Verfügung, daher erfassten Kasser & Sheldon in ihrer Studie ein frohes Fest mithilfe einer “Christmas Well-Being” (CWB) Metrik durch eine Umfrage bei den Teilnehmern der Studie. Und ja, Stress war auch eine Dimension des CWB und hatte interessanterweise die größte Streuung bei den Befragten.
Meine Reaktion als ich das las: Das muss der Unterschied sein zwischen denen, die im November schon ungefragt verkünden, alle Geschenke beisammen zu haben und normalen Menschen…!

Die Studie jedenfalls erfasste ebenso, welche der folgenden sieben Erfahrungen und Aktivitäten im Vordergrund der Weihnachtszeit standen: Zeit mit Familie, Religion, Tradition & Rituale, Schenken, Beschenkt werden, wohltätige Hilfe und zuletzt Genießen (z.B. Essen & Trinken). Kasser & Sheldon untersuchten dann, inwiefern eine Korrelation zwischen einem frohen Fest (CWB) und der Häufigkeit der Aktivitäten bestand und fanden zwei erstaunliche Zusammenhänge:

  • Je mehr Fokus auf die Familie und je mehr Religion eine Rolle spielte, umso froher wurde das Weihnachtsfest bewertet.
  • Umgekehrt wurde das Weihnachtsfest umso weniger froh empfunden, je mehr sowohl Schenken als auch Beschenkt werden eine Rolle spielten.

Klar sind das nur Korrelationen und mit 117 Teilnehmern in den USA ist die Studie vielleicht auch nicht wirklich repräsentativ. Allerdings teile ich die Interpretation der Autoren: Familie und Spiritualität sind ganz wesentliche Bestandteile des christlichen Weihnachtsrituals und vermitteln Verbundenheit und vielleicht auch einen tieferen Sinn — zwei wesentliche Quellen für Glücksempfinden. Geschenke hingegen sind schwächere Symbole der Wertschätzung und häufig nur noch materialistische Artefakte, die weder Schenker noch Beschenkten zu Weihnachten glücklich machen. Warum tun wir uns also den Stress noch an? Es wäre doch viel einfacher man würde mit allen Beteiligten ein Nicht-Schenk-Abkommen (NSA — phantastisches Akronym…) eingehen!
Liebe Verwandtschaft, wenn ihr das hier also lest: Ich möchte bitte keine Geschenke von euch. Ihr bekommt auch nix. Lasst uns lieber entspannt Zeit miteinander verbringen. Is besser so. Kann ich auch wissenschaftlich belegen. Siehe oben 😉

Und für alle die NICHT mehr auf der Suche nach Geschenken sind, sich aber für das Thema “Glück” auch jenseits von Weihnachten interessieren, ein Tipp in eigener Sache: einfach auf unserer Purpose Plattform anmelden. zentor verknüpft Erkenntnisse aus der Glücksforschung, wissenschaftliche Ansätze und neue Technologien, um als digitaler Mentor das Streben nach Glück zu unterstützen. Unsere Plattform liefert Inspiration für spannende Themen und macht es einfach, sich zu engagieren oder ein eigenes Projekt zu starten.

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